Herr Bachmann und seine Klasse

 
Dokumentarfilm
Deutschland 2021
Regie: Maria Speth
Laufzeit: 217 min (3 Std. 37 min. !)
FSK ab 0
 
Die 6b an der Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf, einer hessischen Industriestadt mit hohem Migranten-Anteil. Hier arbeitet Dieter Bachmann als Lehrer. Eigentlich sieht er mit seinem Bart, dem gehäkelten Wollkäppi und den relativ ausgewaschenen Klamotten eher wie ein Althippie aus – die Karikatur eines 68ers. Und tatsächlich: Lehrer ist Bachmann irgendwann nur geworden, weil er unbedingt Geld brauchte. Und selbst versteht er sich eher als Sozialarbeiter. Diese Neigung ist bei seinen SchülerInnen, die aus der Türkei, aus Bul- garien, Rumänien, Brasilien, Marokko, Kasachstan, Russland oder Italien stammen, auch willkommen.
 
Bachmann ist ein Glücksfall für diese sie. Weil
er ihnen zuhört, egal, wovon sie erzählen, weil
er sie zu verstehen versucht, weil er ihnen hilft, weiterzukommen und Erfolg zu haben, worin auch immer, und weil er allen, aber auch allen, zum Vorbild wird. Bachmann ist also nicht nur „Wissensvermittler“, sondern eher väterlicher Freund. Egal, ob es um Rassismus geht, um Geschlechterrollen oder um Sex vor der Ehe – er weicht keiner Frage aus. Und wenn es dennoch mal nicht weitergeht im „Unterricht“, dann holt er die Instrumente raus und es wird musiziert…

Regisseurin Maria Speth und ihr Kameramann Reinhold Vorschneider haben Bachmann und seine Klasse ein halbes Jahr lang begleitet. Sie haben mit ihnen Deutsch gelernt, Mathe geübt, Sport gemacht, Englisch gesprochen, gebastelt und gesungen. Sie waren bei der Elternsprechstunde dabei, bei der Weihnachtsfeier und im Landschul- heim. So bekommt der Zuschauende eine Ahnung davon, was Schule auch sein kann oder müsste: Gemeinschaft. Tagein und tagaus unterrichtet, lebt und streitet Bachmann mit beharrlicher Sympathie und Empathie für diese Idee. Auch die Kamera bleibt beharrlich, springt unmittelbar in die Situationen hinein, beobachtet Gesichter, registriert Temperamente, spürt Stimmungen nach. Man ist wie live dabei, lässt sich auf die Standpunkte, kleinen Wutausbrüche, auf die Witze, Gereiztheiten, Argumente ein. Gezeigt wird die Klasse als ein Ensemble, als vielstimmige, vielschichtige Gruppe.
Der Film ist auch die Geschichte des Industriestandortes Stadtallendorf. Zum Schulausflug geht es ins örtliche Dokumentations-und Informationszentrum. Anhand von Archivmaterial wird die Geschichte des ehemaligen Bauerndorfes veran- schaulicht. 

Kein pädagogisches Bildungskino, vielmehr eine Reise in das vielleicht prägendste System unserer Gesellschaft. Dieter Bachmann, der die jungen Leute am Ende des Films auf die weiterführenden Schulen entlässt, geht dann selbst in den Ruhestand. Das ist äußerst schade.

Auf der Berlinale wurde der Film mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

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