Die Unbeugsamen

am 16.09. zur 20 Uhr-Vorstellung zu Gast:
Hertha Däubler-Gmelin (SPD) im Gespräch mit MdB Martin Rosemann (SPD)

Dokumentarfilm
Deutschland 2020
Regie: Torsten Körner
Laufzeit: 104 min.
FSK ab 0

„Es muss geschmeidig wirken, aber hart erkämpft werden“ fasst Rita Süssmuth in einer Filmszene zusammen. Aber der Reihe nach: Bonn 1961. Die Republik scheint so manchem noch gemütlich. Politiker machen zwar schwerwiegende Fehler und haben neben ihren Ehefrauen Geliebte, doch darüber wird lediglich gemunkelt, nicht berichtet. Für Frauen ist Bonn weniger gemütlich. Denn die Bonner Bundesrepublik ist eine absolute Männerbastion. Frauen sind hier Einzelkämpferinnen, sind konfrontiert mit massiven männlichen Abwehrreaktionen, die von platten Vorurteilen bis zu offener sexueller Diskriminierung reichen. In Parlamentssitzungen werden sie offen verhöhnt, beleidigt und bedroht. Das Bonner Bundesdorf wirkt wie ein Treibhaus für Chauvinismus und sexuelle Übergriffe.

Wie frauenfeindlich das politische Establishment damals war, zeigt Regisseur Torsten Körner anhand sorgsam ausgewählter und teilweise schockierender Archivaufnahmen. Darin kommen parteiübergreifend Frauen zu Wort, die als Abgeordnete, Ministerinnen, Journalistinnen oder in sonstigen Funktionen im Politikbetrieb tätig waren: Marie-Elisabet Klee (CDU), Christa Nickels (Die Grünen), Herta Däubler-Gmelin (SPD), Renate Schmidt (SPD), Renate Hellwig (CDU), Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD), Ursula Männle (CSU), Rita Süssmuth, Elisabeth Hainer (SPD), Renate Färber-Husemann (Journalistin)... Ihre Erinnerungen sind nicht nur „komisch“, sondern bitter und bisweilen erschreckend aktuell.

Ein ungemein wichtiger Beitrag, um unser aller Langzeitgedächtnis aufzufrischen. Körner arbeitet ohne belehrende und/oder erläuternde Stimme aus dem Off. Dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaut, funktioniert seine Montage des Bild- und Archivmaterials trotzdem. Er präsentiert einen sehenswerten Rückblick auf das immer wieder zurückgedrängte Thema Emanzipation und Feminismus in der Politik. Die stimmigen Interviews und historischen Aufnahmen zeigen, wie sehr sich Politikerinnen die Teilhabe am demokratischen Prozess im Bonner Parlament gegen ignorante Männer erkämpfen mussten. Am Ende des Films spannt Ursula Männle noch einmal den Bogen von der Zeit, bevor Frauen überhaupt wählen duften, bis heute. Eindeutig stellt sie fest: "Die Geschichte ist noch nicht zu Ende."

Eine emotional bewegende Chronik westdeutscher Politik von den 50er-Jahren bis zur Wiedervereinigung. Ein erkenntnisreiches Zeitdokument, das einen unüberhörbaren Beitrag zur aktuellen Diskussion leistet.

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