Fabian oder der Gang vor die Hunde

Deutschland 2021
Regie: Dominik Graf
DarstellerInnen: Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, ...
Laufzeit: 185 min (!)
FSK ab 12

Berlin 1931. Die Weimarer Republik geht ihrem Ende zu. Die Stadt brodelt zwischen Vergnügungssucht und Resignation. Der Wirtschaft geht es nicht gut. In der Gesellschaft gärt es. Kriegstraumata, Arbeitslosigkeit, Depression und Sehnsucht nach Liebe sind allerorts spürbar. Eher erfolglos arbeitet der 32-jährige Jakob Fabian, eigentlich Germanist mit schriftstellerischen Ambitionen, als Reklametexter eines Zigarettenherstellers und hadert mit sich selbst. Nachts ist er mit seinem Freund Labude unterwegs. Sie trinken sich durch Kneipen, Bordelle und Künstlerateliers. Doch ihr in diesen Momenten scheinbar sorgenfreies Leben wird durch eine von Kommunisten und Nationalsozialisten geteilte Gesellschaft zunehmend bedroht. Eines Tages trifft Fabian auf Cornelia Battenberg, von der er sich ungemein angezogen fühlt. Allerdings hatte die emanzipierte junge Frau der Männerwelt eigentlich abgeschworen...

Der nach der ursprünglichen Fassung des 1931 erschienenen Romans von Erich Kästner entwickelte Film mischt Melancholie und Hedonismus zu einem bittersüßen Porträt einer vergangenen Epoche, die der Gegenwart auffällig gleicht – im Guten wie im Schlechten. Dem „Völkischen Beobachter“ galt Kästners „Fabian“ als „entartet“, so dass alle Ausgaben seinerzeit auf dem Berliner Opernplatz verbrannt wurden. Erst 2013 erschien die ungekürzte Originalfassung - eine Geschichte vom Moralverfall in der Weimarer Republik.

Und wer könnte den Jakob Fabian besser verkörpern als Tom Schilling („Oh Boy“)? Wieder mimt er den nachdenklichen Flaneur, die Künstlernatur auf der Suche nach sich selbst – verletzlich, abgeklärt, mit einer Neugier aufs Leben, aber gleichzeitig vom Zweifel beherrscht, ein Melancholiker, desinteressiert an Macht und Geld, leidend daran, nicht anders zu können, ein Moralist, dessen angestammter Platz immer der verlorene Posten ist. Schilling erneut perfekt in dieser Rolle.

Interessant ist auch, wie Dominik Graf die 1930er-Jahre mit der Gegenwart mischt, die Dialoge zwar einen wunderbar altmodischen Ton haben (häufig direkt aus Kästners Roman), dann aber eine durchaus zeitlose, ja, moralische Geschichte zeigt, die zwar damals spielt, die aber genauso gut auch 2021 so ablaufen könnte.

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