Kairo 678

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Do Fr Sa So Mo Di Mi
 18.00            

kairo678Ägypten 2010, OmdU
Regie: Mohamed Diab
DarstellerInnen: Boshra Parwani, Nelly Karim, Nahed El Sebai u.a.
Laufzeit: 11 min.
freigegeben ab 12 Jahren

Kairo 2010. Die drei Frauen Fayza, Seba und Nelly stammen ganz unterschiedlichen sozialen Schichten an, haben aber eine Erfahrung gemeinsam: Sie alle sind Opfer sexueller Gewalt geworden. Fayza aus der Arbeiterklasse wird auf dem Weg zur Arbeit im Bus (der Linie 678) regelmäßig von männlichen Mitpassagieren angegrapscht und auch von ihrem Mann sexuell genötigt. Die wohlhabende Seba hat als Opfer einer Massenvergewaltigung nach einem Fußballspiel eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Dieser gehört auch Nelly an, die auf offener Straße in ein Auto gezerrt wurde, aber gerade noch entkommen konnte. Die drei Frauen wollen sich nicht länger mit männlichen Übergriffen abfinden. Sie entwickeln allerdings sehr unterschiedliche Strategien: Die eine setzt auf verbale Attacken und Selbstverteidigungskurse, die andere zieht vor Gericht und die Dritte eine Stichwaffe...

Sexuelle Belästigung ist ein Tabuthema in der ägyptischen Gesellschaft und findet dennoch jeden Tag statt. Mit viel Einfühlungsvermögen nähert sich der junge Regisseur Mohamed Diab in seinem Debütfilm dem heiklen Thema, erzählt von einer rücksichtslosen Männergesellschaft und drei Frauen, deren Geschichten auf authentischen Fällen beruhen. Sein Film gliedert sich in Episoden, in denen sowohl die kontrastierenden Milieus der Protagonistinnen geschildert als auch - durch eingestreute Rückblenden - ihre Schockerfahrungen gespiegelt werden. Mohamed Diab macht deutlich, mit welchen inneren, familiären und öffentlichen Widerständen die Frauen zu hadern haben, bevor sie sich für ihre Revolution im Kleinen einsetzen können.

Entstanden bereits im Jahr 2010, nimmt „Kairo 678“ Aspekte des arabischen Frühlings vorweg und lässt uns als Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen eines im Umbruch befindlichen Landes werfen.
Gut konzipiert. Fantastisch gespielt. Auf den Festivals hoch gelobt.

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