Dokumentarfilm | Deutschland 2023
Regie: Martin Pfeil
Laufzeit: 60 min | FSK ab 6
Das Leben von Josef Szajowski erzählt mehr als ein Jahrhundert europäischer Geschichte. Geboren 1922 in Lwów, erlebt er Krieg, Verschleppung und Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland.
Was als Jugend in einer sich wandelnden Welt beginnt, wird zum Überlebenskampf und schließlich zu einer Geschichte des Neuanfangs.
Im Alter von über 100 Jahren blickt Josef Szajowski auf ein Leben zwischen Umbruch, Verlust und bemerkenswerter Stärke zurück. Heute lebt er mit seiner Frau in Reutlingen. Das Gespräch für diesen Dokumentarfilm mit seinem Freund und Tennispartner Gustav wurde dort am 10. Juni 2023 aufgezeichnet.
Zum Zeitpunkt seiner Geburt gehörte Lwów zur Zweiten Polnischen Republik. Im September 1939 wurde die Region infolge des Hitler-Stalin-Pakts bis 1941 in die Ukrainische Sowjetrepublik eingegliedert.
In der Schule war Polnisch die Hauptsprache, Russisch wurde als Fremdsprache unterrichtet. 1941 schloss Josef seine Schulzeit mit dem russischen Abitur ab.
Im März 1942 wurde er von der deutschen Wehrmacht aufgegriffen und ohne Abschied von Familie oder Freunden nach Potsdam/Brandenburg verschleppt.
Untergebracht im Lager „Exerzierplatz“, kam er erstmals mit der deutschen Sprache in Kontakt. Seine erste Lektüre war der Satz: „Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt.“
Als polnischer Zwangsarbeiter musste er das „P“-Abzeichen tragen.
Zunächst arbeitete er als Hilfsarbeiter bei den ARADO Flugzeugwerken GmbH, später wurde er zum technischen Zeichner in einem Konstruktionsbüro angelernt. Die tägliche Arbeitszeit betrug zehn bis zwölf Stunden und wurde nur gering entlohnt.
Rückblickend sagt Josef: „Die haben uns gebraucht – und wir wurden nicht schikaniert.“
Mit der Ausrufung des „Totalen Krieges“ wurde das Büro nach Landeshut in Schlesien verlegt. Von dort aus konnten Josef und seine Kollegen das Konzentrationslager Groß-Rosen sehen.
Kurz vor Kriegsende wurde das Team zurück nach Brandenburg verlegt – der Weg führte unter anderem durch das zerstörte Dresden.
Nach 1945 arbeitete Josef als Übersetzer für sowjetische Behörden und begann anschließend ein Studium in Stettin. 1972 promovierte er an der Universität Danzig zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften.
Er wurde kaufmännischer Direktor der polnischen Schiffbauindustrie in Gdingen und später Projektleiter in Algerien. Danach übersiedelte er nach Westdeutschland und arbeitete bis zur Pensionierung in Stuttgart im Rechnungswesen.
Wir freuen uns sehr, Josef Szajowski bei uns zu einem Filmgespräch begrüßen zu dürfen!








