Dokumentar-Drama | Tunesien 2025
Regie: Kaouther Ben Hania („Olafs Töchter“)
Besetzung: Saja Kilani, Motaz Malhees, Clara Khoury, Amer Hlehel u. a.
Laufzeit: 90 Min. | FSK: ab 12
Am 29. Januar 2024 erreicht die freiwilligen Mitarbeitenden des Palästinensischen Roten Halbmonds – darunter Omar (Motaz Malhees) und seine Kollegin Rana (Saja Kilani) – ein Notruf aus Gaza. Am anderen Ende der Leitung ist die sechsjährige Hind Rajab, gefangen in einem Auto in Gaza. Panisch fleht sie um Hilfe, nachdem ein israelischer Panzerbeschuss ihre Familie getötet hat: „Bitte kommt und holt mich!“
Während die Mitarbeitenden über eine Stunde lang versuchen, das Mädchen in der Leitung zu halten und zu beruhigen, arbeitet ihr Vorgesetzter Mahdi unter Hochdruck daran, einen Rettungsweg zu koordinieren. Notrufe aus Gaza werden nicht mehr vor Ort angenommen, sondern in das etwa 83 Kilometer entfernte Einsatzzentrum des Palästinensischen Roten Halbmondes weitergeleitet. Die Helfer befinden sich also selbst nicht unmittelbar im Kriegsgebiet.
Um eine Route für einen Rettungswagen zu bekommen, muss sich Mahdi über mehrere Stationen hinweg eine Freigabe von der israelischen Armee einholen – und das kostet viel Zeit. Dabei sind die Rettungskräfte nur acht Minuten entfernt.
Die Einsatzzentrale entsendet schließlich einen Krankenwagen, doch auch dieser wird angegriffen, bevor er das Kind erreicht. Beide Sanitäter kommen ums Leben. Um 19:30 Uhr verstummt Hind Rajabs Stimme …
Die oscarnominierte tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania rekonstruiert den verzweifelten Rettungsversuch vom 29. Januar 2024, indem sie die Original-Tonaufnahmen von Hind und dem Roten Halbmond mit nachgestellten Szenen in der Einsatzzentrale kombiniert. Daher ist der Film ausschließlich auf Arabisch mit deutschen Untertiteln verfügbar.
Es entsteht eine besonders eindringliche Erfahrung, die mit einer schonungslosen Erzählweise lange nachwirkt. Am Ende zählen Ermittler am Einsatzort 355 Einschüsse im Auto der Familie. Die Fragmente der originalen 70 Minuten langen Notrufaufzeichnung verbreiteten sich weltweit im Internet und wurden zu einem der eindringlichsten Zeugnisse dieses Krieges – gehört von Millionen.
„Die Stimme von Hind Rajab“ verbindet reale Elemente, die schwer auszuhalten, aber dennoch notwendig sind, und richtet einen eindringlichen Appell an die Menschlichkeit.








