Spaziergang nach Syrakus

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Tragikomödie | Deutschland 2026
Regie: Lars Jessen
Besetzung: Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiara, Jens Münchow, ...
Laufzeit: 97 min | FSK: ab 0

1982, auf einem Schiff der „Weißen Flotte“, fasst Paul Gompitz einen ungewöhnlichen Entschluss: Er will nach Syrakus in Sizilien. Als Kellner in der DDR ist er italophil bis in die Fingerspitzen und fest entschlossen, nach Syrakus zu gelangen. Gegen jede Logik eines Fluchtversuchs will Paul danach wieder zurückkehren. Er will die DDR nicht verlassen, sondern Italien erleben und anschließend zu seiner Frau Anne zurückkehren, die er liebt. Aus diesem widersinnigen Vorhaben macht Regisseur Lars Jessen eine eigenwillige Tragikomödie über Freiheit, Fernweh und die Zumutungen der Liebe.

Paul ist ein liebenswerter Sturkopf. Verbote versteht er als persönliche Herausforderung: „Jetzt erst recht!“ Schon als Kind sprang er bei Stubenarrest aus dem Fenster. Nun aber weiß er, was ein Fluchtversuch bedeuten kann. Um Anne nicht zu gefährden, hält er sie aus seinen Plänen heraus. Über Jahre bereitet er akribisch und geduldig vor, wie er seinen Traum verwirklichen kann. Doch währenddessen gerät seine Ehe aus dem Blick. Er merkt zu spät, dass man auch jemanden verlieren kann, ohne das Land zu verlassen.

Charly Hübner gibt Paul die knorrige Entschlossenheit eines Mannes, der sich von Verboten erst recht nicht aufhalten lässt. Lina Beckmann spielt Anne als ebenbürtigen Gegenpol: selbstbewusst, kraftvoll und verletzlich. Zwischen den beiden entsteht ein Konflikt, der weit über Pauls Reisepläne hinausgeht. Was für ihn Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung ist, bedeutet für Anne auch, dass er sich immer weiter von ihr entfernt. So wird aus der Fluchtgeschichte zunehmend eine Liebesgeschichte.

Lars Jessen erzählt weitgehend chronologisch, erlaubt sich aber kleine Ausbrüche ins Spielerische. Postkarten werden lebendig, Wunschbilder bekommen Bewegung, Paul verschmilzt mit den Landschaften seiner Sehnsucht. Italien ist dabei weniger ein konkretes Reiseziel als ein Versprechen auf Abenteuer und ein anderes Leben.

Gleichzeitig bleibt die Realität in der DDR, in der Misstrauen zum Alltag gehört, präsent. Ein Fluchtversuch kann weitreichende Folgen haben. Gerade aus diesem Spannungsfeld zwischen persönlicher Sehnsucht und politischer Realität entwickelt der Film seine besondere Mischung aus Humor, Melancholie und Spannung.

Der Film basiert lose auf Friedrich Christian Delius’ Erzählung „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Auch Johann Gottfried Seumes Reise nach Syrakus liefert den historischen Resonanzraum.

Ohne „Ostalgie“ und ohne großes Pathos erzählt Lars Jessen von einem Mann, der unbedingt dorthin will, wo er noch nie war – ohne dabei das aufzugeben, was er liebt.

Spielzeiten

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