Ausgsting

Aussteiger-Doku, Reisefilm | Deutschland 2025
Regie: Julian Wittmann („Ausgrissn“)
Protagonist: Wolfgang „Gangerl“ Clemens
Laufzeit: 90 min | FSK ab 12

Seid ihr auch gerade beim Lesen über den Filmtitel gestolpert? Wolfgang „Gangerl“ Clemens ist tatsächlich „ausgestiegen“. Der weißhaarige Eigenbrötler ist seit fast vierzig Jahren Abenteurer. Früher war er erfolgreicher Kunstschmied, heute lebt der 83-Jährige auf seiner Segelyacht, die jederzeit zum Ablegen bereit ist.

Filmemacher Julian Wittmann will herausfinden: „Freiheit, Aussteigen – was ist das eigentlich?“ Dafür begleitet er das bayerische Original drei Monate lang auf einer 2000-Seemeilen-Reise von Bali über die endlose Banda-See im Indo-Pazifik bis hinauf zu den Tribes im Hochland von West-Papua. Doch Antworten bekommt er nicht leicht.

Gangerl, kein Freund von Gesellschaft und schon gar nicht von Kamerateams, reagiert wortkarg, schimpft über „Filmfritzen“ und „Weicheier“ – und sorgt damit für raue, komische Momente. Julian wiederum wird zum Erzähler, teilt seine Fragen mit dem Publikum und reflektiert das Erlebte in Telefonszenen mit seinem Bruder Thomas, der die Produktion verantwortet.

Nach und nach zeichnet sich ein Bild von Gangerl ab. Geboren 1941 in Breslau, kam er als Kind mit seiner Mutter nach Bayern, wo er als Geflüchteter Ausgrenzung erlebte. 1988 brach er schließlich mit einem selbstgebauten Boot auf, um der Gesellschaft endgültig den Rücken zu kehren. „Ich bin ein Ego“, bekennt er einmal offen, „nicht beziehungsfähig, aber in der Natur daheim.“

Die Reise führt entlang grüner Küsten, über offene See und in ein Stelzendorf bei Indigenen. Gewaltige Naturbilder, auch unter Wasser, treffen auf stille Momente an Bord: Gangerl schwimmt gelassen zwischen Quallen, liegt nachdenklich auf Deck und zeigt auch seine verletzliche Seite. Julian spürt, dass Freiheit nicht nur Glück, sondern auch Einsamkeit bedeutet.

Doch was macht „wahre Freiheit“ wirklich aus? Für Julian und für Gangerl? Antworten gibt der Film nicht leichtfertig preis. Ausgsting bleibt eine offene Suche: nach Glück, nach Unabhängigkeit – und danach, wie viel Einsamkeit Freiheit verträgt.

Ein minimalistisches Porträt eines kantigen Freigeistes – und ein Reiseabenteuer zweier waschechter Bayern, die von derselben Sehnsucht angetrieben sind und ihr doch ganz unterschiedlich folgen.

Spielzeiten

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